Chronik

26.2.2017:

Die Chronik von Orchestra Vagabundi

Am 15.6.1991 veranstaltete der bekannte Ulmer Liedermacher Walter Spira ein Open Air im Vorwerk Neu-Ulm. Dazu hatte er viele musikalische Freunde in verschiedenen Bands kombiniert auf die Bühne geholt. Unter anderem auch Hans (Festl) Wild, der damalige Wirt einer Kneipe und Kleinkunstbühne in Schelklingen, dem berühmten „Stellwerk“. Bei zwei dieser Formationen war auch Brigitte aktiv dabei und zwar das erste Mal in diesem Genre überhaupt. Einige Wochen danach rief Festl bei ihr an und fragte, ob sie nicht Lust habe bei seiner Stellwerk-Hausband mitzumachen, die er gerade gründe. Brigitte überlegte nicht lange und sagte „Ja“ – und das war der Anfang.

Die Hausband firmierte unter dem Namen „Blindwalkers – die Blindgänger“. Die Instrumentierung war reichhaltig: Gitarren, Mandoline, Banjo, Bluesharp, Contrabass, Posaune, Geige, Klarinette und Saxophon und insgesamt waren es bis zu 6 – 8 Musiker, die genaue Zahl ist nicht mehr bekannt. Dabei waren u. a. Tommy Fischbach und Uli Bohnacker, die schon in früheren Zeiten musikalische Mitstreiter von Festl waren. Später kamen noch Hans (Joe) Betz und Yvonne Faber dazu. Innerhalb relativ kurzer Zeit verabschiedete sich der ein oder andere und übrig blieben dann noch Festl, Joe, Yvonne und Brigitte und Regina, die auch noch den Weg zu uns gefunden hatte. Das war für Festl auch der Anlass für einen Wechsel des Bandnamens zu „Dröhnland“. Es war nicht viel Zeit ins Land gegangen, als Festl eine gewisse Unruhe verspürte und „back tot the roots“ wollte, was hieß weg von der Band, den Mikros und Verstärkern und zurück zum reinen Klang seiner Gitarre.

De facto war das eigentlich das Aus für die Band. Doch Yvonne, Joe und Brigitte konnten sich damit nicht abfinden und so machten sich die Damen auf die Suche nach einem geeigneten Gitarristen. Den fanden sie bei einem Wochenend-Workshop für Straßenmusik mit „Klaus dem Geiger“, der im Stellwerk veranstaltet wurde. Ihnen fiel unisono ein zurückhaltender junger Mann auf, der eine feine Gitarre spielte und ihnen sofort extrem sympathisch war. Der Rest ist Geschichte. Am letzten Tag des Workshops umzingelten sie ihn auf einem Sofa, rückten im quasi auf die Pelle und brachten ihm lächelnd ihren Herzenswunsch näher. Tja, das war wohl musikalische Liebe auf den ersten Blick, für Mikey gab es kein Entkommen. Die Band war wieder komplett einsatzfähig.

In den Jahren danach verabschiedeten wir uns von dem Bandnamen „Dröhnland“, der häufig eine völlig falsche Erwartung an unsere Musik verursacht hatte. Die meisten dachten, da wäre mindestens eine Hardrockband zugange und dann kamen wir: Folker im allerbesten Sinne, die eher die leisen Töne spielten. Lange konnten wir uns nicht für einen Namen entscheiden, uns gefielen da so einige. Als Deadline zur Namensänderung hatten wir uns einen Auftritt gesetzt. Der Auftritt kam und wir hatten uns noch immer nicht entschieden. Brigitte, die die Begrüßung zum Konzertbeginn machen sollte, wurde plötzlich autoritär und verlangte eine sofortige Entscheidung. O-Ton: „.. ich singe hier keinen Ton mehr unter dem Namen Dröhnland, noch sage ich uns nochmal unter diesem Namen an, also entscheidet euch JETZT …“ Sie zählte nochmals die Namen auf, die zur Auswahl standen und ei guck ei glotz, plötzlich ging es. Die Entscheidung fiel und der neue Bandname wurde verkündet: Orchestra Vagabundi.

Für einige Jahre verstärkte Regina Wegerer uns mit dem Akkordeon, bis sie es zeitlich nicht mehr schaffte. Joe, der beruflich sehr viel im Ausland war, verließ uns auch irgendwann. Wir suchten und fanden auch immer wieder Bassisten, doch war das Glück nie von langer Dauer. Irgendwann hatte Mikey die Nase gestrichen voll und eine wunderbare Lösung für unser Bassistenproblem: er erlernte den Contrabass. Das wiederum ermunterte Brigitte sich ebenfalls einen lang vergessenen Traum zu erfüllen und sie wagte sich an den E-Bass. Mikey darf den manchmal auch spielen, aber nur wenn er brav ist.

Zwischenzeitlich gab es noch Janette Wagner am Akkordeon, die zwar immer „schpiela, schpiela, schpiela“ wollte, sich jedoch lieber wieder mehr weiteren Yogakursen widmen wollte. Ihr haben wir die Lieder von „Bluatschink“ zu verdanken.

Bereits anno 2001 war Orchestra Vagabundi schon im digitalen Zeitalter angekommen und mit einer eigenen Homepage im „world-wide-web“ vertreten. Yvonne hatte uns hier in mühevoller Kleinarbeit und Hingabe als Comicfiguren verewigt, die sich sogar bewegten, wenn sie angeklickt wurden. Dem stundenlangen Gewinsel der Autorin dieser Zeilen wurde Gehör geschenkt und so können die Comicversionen von Yvonne, Mikey und Brigitte immer noch auf unserer aktuellen Homepage bewundert werden, die Yvonne dann im Januar 2015 entwickelte. Hier investierte unsere Künstlerin jede Menge Zeit und Ideen und kümmert sich seitdem außergewöhnlich intensiv und liebevoll darum. Die meisten Beiträge stammen von ihr. Außerdem zeichnet sie für die gesamten Photoshootings, unsere Flyer und Plakate verantwortlich. Dafür 1000-Dank Yvonne!!!

Im April 2015 übernahmen wir von der Gruppe „Saitenwechsel“ deren komplette Anlage, die genau auf unsere Bedürfnisse zugeschnitten war. An dieser Stelle nochmals herzlichen Dank an Sylvia und Peter Kolonitzki, die uns so intensiv bei der Inbetriebnahme der Anlage unterstützten und wertvolle Tipps gaben.

Seit sich Janette von uns verabschiedete, sind wir zu dritt und genießen unsere gemeinsame Zeit mit musizieren, herumalbern und blödeln. Wie schon in all den vorangegangenen Jahren erarbeiten wir gemeinsam unsere Stücke, wobei wir keine Hemmungen vor ungewöhnlichen Arrangements haben. So kann es durchaus vorkommen, dass Geige und Saxophon gemeinsam ein Solo spielen.

Nun im Jahr 2017 sind wir drei, Yvonne, Mikey und Brigitte, seit 25 Jahren musikalisch verbandelt und begehen unser silbernes Bandjubiläum. Für die Zukunft haben wir uns noch einiges vorgenommen.

Und das ist unser Lieblingsspruch: Net denga, schpiela!

©Brigitte Willbold, August 2017

Leidenschaftlicher Folk

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